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Geschichte

Kleine (Post)Geschichte der Kanalinseln

9. Jahrhundert

Die Kanalinseln sind nominell Teil Frankreichs, doch werden Sie und das angrenzende Festland immer wieder von Normannen geplündert und teilweise besetzt.

911

Der Normanne Rollo wird vom französischen König mit jenem Landstreifen im Norden Frankreichs belehnt, der nur als "Normandie" bezeichnet wird. Zu diesem Gebiet gehören die Kanalinseln.

1066

Normannenherzog Wilhelm (der Eroberer) schlägt bei Hastings den englischen König Harold. Damit ist er nun König von England, bleibt aber in der Normandie (und damit auf den Kanalinseln) nur Herzog. Die beiden Reiche werden verwaltungsmäßig nicht zusammengelegt. Ein Umstand, aus dem sich bis heute die Unabhängigkeit der Inseln von England ergibt.

1204

König John (als Bösewicht aus der Robin-Hood-Legende bekannt) verliert die letzten Reste des Fest- landteiles der Normandie. Auf den Inseln selbst kann er sich behaupten. Bis heute führt der englische Monarch für den Bereich der Kanalinseln den Titel "(Herzog(in) der Normandie". König John ordnet die Verwaltung seines Restherzogtumes neu. Er teilt es in 2 Verwaltungsbezirke, das Bailiwick of Jersey und das Bailiwick of Guernsey (mit Alderney). Jedes Bailiwick erhält ein Stände-Parlament, die States.

1481

Papst Sixtus IV erklärt die Kanalinseln als "neutral, soweit das Auge reicht", und beendet damit vorübergehend den Streit zwischen Frankreich und England um die Inseln.

1565

Sark wird mit einem Dekret der englischen Königin I verwaltungsmäßig dem Bailiwick of Guernsey ange- gliedert, bekommt aber gewisse Sonderrechte.

1689

Die päpstliche Neutralitätsbulle wird aufgehoben. Die Kapitäne der Inseln hatten in den Jahren zuvor als Freibeuter immer wieder französische Schiffe überfallen, sodaß von Neutralität keine Rede mehr sein konnte. Neben der Piraterie beschäftigt man sich auch erfolgreich als Schmuggler von Wein zwischen Frankreich und England.

17. Jahrhundert

Die Post der Kanalinseln wird ab dem späten 17. Jahrhundert über Letter Forwarding Agents an der süd- englischen und nordfranzösischen Küste vermittelt. Die Briefe werden dort gesammelt und dem nächsten Schiff auf die Inseln mitgegeben.

1778 bis 1783

Die 1. amtliche Postschiffsverbindung zwischen England und den Kanalinseln entsteht durch den Kutter "Express", der unter voller Bewaffnung (!) Post zwischen Southampton und Guernsey bzw. Jersey befördert. Die Route wird eingerichtet, weil zivile Schiffe wegen des Krieges mit Frankreich sich kaum noch auf's Meer hinauswagen, man aber die Kommunikation mit den Kanalinseln aufrecht erhalten will.

1781

Der letzte Versuch Frankreichs, die Kanalinseln zurückzuerobern, scheitert. Der englische Major Peirson schlägt - mitten im Stadtzentrum von St. Helier auf Jersey - die Truppen des französischen Glücksritters Roullencourt.

1794

Eine Postschiffslinie zwischen den Inseln und Weymouth wird eingerichtet. Zugleich eröffnet die eng- lische Post Postämter auf Guernsey und Jersey. In den ersten Jahren finden diese noch datumslosen Kurven- und Fahnenstempel noch Anwendung.

1802 bis 1810

Nicholas Robilliard, Letter Agent in Weymouth, unterhält ein eigenes "Bye-Boat", das in Konkurrenz zum englischen Postschiff fährt.

1830

Reform des Postwesens auf den Kanalinseln. Die Hauptpostämter erhalten Datumsstempel und auf dem Land werden Postannahmestellen für die Penny-Post eröffnet.

1834

Jersey, wo bis dahin französisches Geld im Umlauf war, macht von seiner Münzhoheit Gebrauch und führt das Jersey-Pfund ein. Während dieses und der Jersey-Shilling dem englischen Pfund gleichgestellt wird, werden die Pennys eine Besonderheit: 1 Jersey-Shilling hat 13 Jersey-Pence (in England sind es 12). Man schafft damit ein Kuriosum, unter dem vor allem die Händler zu leiden haben, da man beim Umrechnen unweigerlich Verluste durch Auf- und Abrunden zu verzeichnen hat.

1840

Die große englische Postreform bedeutet eine Abschaffung des Penny-Post-Zuschlages. Briefmarken werden eingeführt und die Postämter erhalten Malteserkreuzstempel zur Entwertung.

1843

Ein Postvertrag zwischen England und Frankreich (1856 modifiziert) regelt auch den Postverkehr der Kanalinseln von und nach Frankreich. Es gibt nun amtliche Postschiffslinien zwischen den Inseln und französischen Häfen, wie St. Malo. Daneben wird es privaten Schiffen gestattet, Briefkästen an Board mitzuführen ("Boites-Mobiles"), in die Passagiere während der Fahrt Karten und Briefe einwerfen können, die entweder mit französischen oder mit englischen Wertzeichen freigemacht sind. Am Ankunftshafen wird der Inhalt der Kästen dem dortigen Postamt übergeben. Stempel der Kanalinseln kommen so ganz legal auf französischen Marken zum Abschlag. Dieser Service endet 1939.

1844

Die Malteserkreuze werden durch Nummern- stempel ersetzt. Auf Guernsey ist das die "324", auf Jersey die "409". Sie bleiben bis etwa 1890 in Verwendung.

1848

Die Insel Alderney erhält ein Postamt und die Postamtsnummer "965".

1850

Ab diesem Jahr werden immer neue Zweigpostämter auf den Inseln eingeführt, die zunächst mit datums- losen Stempeln ausgestattet sind.

1852 bis 1853

Die ersten freistehenden Briefkästen im Bereich der englischen Post werden zunächst auf Jersey, ein Jahr später auch auf Guernsey aufgestellt. Einer der damals in Guernsey errichteten Briefkästen steht heute noch und ist damit der älteste Briefkasten der Welt, der noch in Betrieb ist (und damit selbst dem "Guinessbuch der Rekorde" eine Eintragung wert!).

1857

Die Insel Sark erhält ein Postamt.

1877

Der Jersey-Shilling hat seit damals nicht mehr 13d, sondern 12d und ist der englischen Währung gleich- gestellt.

1925

Die Insel Herm erhält ein Postamt, das 1938 wegen des Abzuges eines Großteil seiner Bevölkerung geschlossen wurde.

1930

In Guernsey ist bis zu diesem Jahr neben dem Guernsey-Pfund die französische Währung legales Zahlungsmittel. Nun stellt man um, erhebt das englische Pfund zur Leitwährung und paßt das Guernsey- Pfund 1:1 an.

Juni 1940

Alderney wird angesichts des deutschen Vormarsches in Frankreich komplett evakuiert. Von den anderen Inseln werden vor allem Schulkinder und ihre Mütter nach England gebracht. Bevor die Wehrmacht am 1.7.1940 die Inseln besetzt.

1940 bis 1945

5 Jahre sind die Inseln nun von deutschen Truppen besetzt. Da die vorhandenen englischen Marken rasch aufgebraucht sind, muß man sich mit Halbierungen und der Ausgabe eigener Wertzeichen helfen. In dieser Zeit ist der direkte Postverkehr nur mit Deutschland und seinen Verbündeten möglich. Mit der übrigen Welt kann man nur über das Rote Kreuz in Genf korrespondieren.

1948

Zum 3. Jahrestag der Befreiung der Kanalinseln erscheint eine eigene Sonderausgabe der englischen Post.

1949

Die Insel Herm eröffnet ein lokales Privatpostamt mit eigenen Wertzeichen, die als Zusatzfrankatur zu englischen Marken verwendet werden müssen. Dieser Postdienst besteht bis 1969 und deckt einen echten Bedarf. Andere Inseln (Jethou, Lihou) und die Commodore-Linie folgen später mit ähnlichen Privatwertzeichen, für die jedoch keine wirkliche Notwendigkeit bestand.

1958 bis 1969

Die beiden Bailiwicks erhalten eigene Regionalmarken im Verband der englischen Post. Sie verlieren am 1.10.1969 ihre Gültigkeit auf den Inseln, sind aber in England bis 1972 zugelassen.

1968

Die britische Postverwaltung wird als "Post Office Corporation" komplett neu organisiert und aus dem Staatsapparat herausgelöst. Im Zuge der dabei getroffenen Maßnahmen wird den beiden Bailiwicks angeboten, sich postalisch selbstständig zu machen.

1.10.1969

Guernsey und Jersey werden postalisch unabhängig von England und geben an diesem Tag erstmals eigene Postwertzeichen heraus. Die englischen Briefmarken verlieren ihre Frankaturgültigkeit. Am gleichen Tag werden Bailiwick of Guernsey alle privaten Postwertzeichen verboten. Die Insel Herm bekommt als Ersatz ein Postamt der neuen Guernsey-Postverwaltung.

 

 

 

 

 

 

1971 bis 1972

Reform des englischen Pfund - Sterling - Systems. Die Kanalinseln machen mit ihren Währungen diese Umstellung mit. Die Marken der Inseln erscheinen ab 1971 nun mehr in Pfund - Pence. Ab dem 14.2.1972 verlieren alle Werte in der £ - d - s - Währung ihre Gültigkeit.

14.06.1983

Nach langjährigen Auseinandersezungen zwischen Alderney und der Guern- sey - Postverwaltung einigt man sich auf Regionalmarken für Alderney. Alderney hat in den Jahren zuvor mit dem Ausstieg aus der Guernsey - Postverwaltung gedroht, da es der Meinung war, Guernsey würde zu Un- recht alle philatelistischen Gewinne einstreichen. Die Guernsey-Post gibt nun jährlich eine gewisse Menge an Regionalmarken mit der Aufschrift "Al- derney" heraus, deren philatelistischer Erlös der Insel zugute kommt, während Guernsey die Kontrolle über die Ausgabe behält.