latest news

01.09.2006

This is where you can put your latest news.

read more ...

01.09.2006

This is where you can put your latest news.

read more ...

other information

This space can be used for additional information such as a contact phone number, address or maybe even a graphic.

Steckbrief

Kleiner Steckbrief der Kanalinseln

Bis in die Mitte dieses Jahrhunderts wurde auf den Inseln vorwiegend Patois gesprochen, ein französischer Dialekt. Auf den einzelnen Inseln entwickelten sich die Idiome unterschiedlich, sodaß Experten sogar noch zwischen "Guernsey-French", "Sark-French" usw. unterscheiden. Heute hört man nur noch die englische Sprache, in erster Linie eine Auswirkung des Tourismus aus England und des britischen Radios und Fernsehens. Rein nostalgischen Charakter haben die amtlichen Parlamentsberichte, die heute noch in französisch abgefaßt werden. Sie verstauben in den Archiven, denn wirklich gelesen wird die "nicht amtliche" englische Version.

Guernsey, Jersey und Alderney haben eigene Parlamente, die "States". Mit diesem Begriff tun sich deutsche Übersetzer oft schwer. Sie sprechen meist von "Staaten", obwohl ihnen klar sein muß, daß das keinen Sinn ergibt. Dabei steht in fast allen Wörterbüchern, daß "the States" nichts anderes sind als "die Stände". Die States der Inseln gehen auf die normannischen Ständeparlamente zurück. Auf Sark heißt das Parlament nicht "States", sondern "Chief Pleas".

Politisch gibt es 2 Verwaltungsbezirke innerhalb der Kanalinseln, das Bailiwick of Jersey (bestehend aus der Insel selbst und einigen unbewohnten Felsen, wie die Minquieres) und dem Bailiwick of Guernsey, zu dem außer Guernsey auch noch Alderney, Sark, Herm, Jethou und Brequou gehören.

Die Inseln gehören nicht zu England (übrigens auch nicht zur EU), unterstehen auch nicht der englischen Gesetzgebung, sondern sind Kronländer der englischen Königin. Diese setzt bestimmte Verwaltungs- beamte ein und regelt über den Kronrat (Privy Council) gewisse Gesetze und Vorgänge auf politischer Ebene. Außenpolitisch und militärisch werden die Kanalinseln durch England vertreten, in fast allen anderen politischen Angelegenheiten können die lokalen Parlamente selbst entscheiden. Die beiden Baili- wicks haben verbriefte Steuer-, Finanz-, Zollhoheit und ein eigenes Münzrecht. Das bedeutet konkret, daß man im Personenverkehr zwischen dem Bailiwick und England keinen Reisepaß zeigen muß, sehr wohl aber durch die Zollkontrolle zu gehen hat! Legales Zahlungsmittel ist das Guernsey- bzw. Jersey-Pfund, die der englischen Währung aber 1:1 gleichgestellt sind.

Die (eingesessenen) Bewohner der Kanalinseln sind englische Staatsbürger, bekommen aber einen beson- deren Pass, der den Besitzer als Bürger eines der beiden Bailiwicks ausweist.

Bis vor wenigen Jahrzehnten war die Haupteinnahmequelleder Inseln die Landwirtschaft. Das Guernsey- und das Jersey-Rind genießen weltweit einen ausgezeichneten Ruf und Guernseys Tomaten wurden auf fast allen Frühstückstischen in England serviert. Heute stammen die meisten Einnahmen aus dem Touris- mus und vor allem aus der Tatsache, daß die Inseln Guernsey und Jersey Steuerparadiese sind. Zahl- reiche Briefkastenfirmen bringen Geld. Wenig bekannt ist der Umstand, daß sich hier eine wichtige finan- zielle Drehscheibe für ganz große Deals befindet. Es gibt praktisch keine große Bank der Welt, die nicht eine Filiale oder zumindest ein Büro auf Guernsey und auf Jersey hat.

Zwischen Guernsey und Jersey herrscht übrigens eine ähnliche "herzliche" Beziehung wie zwischen Preussen und Bayern. Fragen Sie nie einen Guernseyman wie man "St. Helier" ausspricht (so heißt Jersey's Hauptstadt). Er wird Ihnen sagen: "Das spricht man überhaupt nicht aus!"